Veröffentlicht am So., 19. Apr. 2020 08:00 Uhr


Die Liturgie steht Ihnen als pdf-Datei hier zur Verfügung


Liturgie für Quasimodogeniti, 19. April 2020

Glockengeläut         

Friedenauer Posaundenhor: Christ ist erstanden | EG 99

Gruß und Eröffnung

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, Amen.

Herzlich willkommen zu unserem online Gottesdienst. Wir feiern heute den ersten Sonntag nach Ostern – Quasimodogeniti – „wie die neugeborenen Kinder“. Die Bedeutung dieses Namens verweist uns nicht nur zurück auf das Geschenk von Ostern, sondern auch auf unsere Taufe. Wie neu geboren. Was für ein Gefühl! Alles auf Anfang und mit frischer Kraft voran.

Wie sich trotz der aktuellen Lage ein solches Gefühl von Neuanfang, von Kraft schöpfen, einstellen kann, werden wir in diesem Gottesdienst erfahren.

 

Lied  Die ganze Welt, Herr Jesu Christ |EG 110,1.3.4.6

1. Die ganze Welt, Herr Jesu Christ,

Halleluja, Halleluja,

in deiner Urständ fröhlich ist.

Halleluja, Halleluja.

3. Jetzt grünet, was nur grünen kann,

Halleluja, Halleluja,

die Bäum zu blühen fangen an.

Halleluja, Halleluja.

4. Es singen jetzt die Vögel all,

Halleluja, Halleluja,

jetzt singt und klingt die Nachtigall.

Halleluja, Halleluja.

6. Die ganze Welt, Herr Jesu Christ,

Halleluja, Halleluja,

in deiner Urständ fröhlich ist.

Halleluja, Halleluja.

Text: Friedrich Spee 1623       Melodie: Köln 1623

Psalm 116 

Das ist mir lieb,

dass der HERR meine Stimme und mein Flehen hört.

     Denn er neigte sein Ohr zu mir;

     darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.

Stricke des Todes hatten mich umfangen, /

des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen;

ich kam in Jammer und Not.

     Aber ich rief an den Namen des HERRN:

     Ach, HERR, errette mich!

Der HERR ist gnädig und gerecht,

und unser Gott ist barmherzig.

     Der HERR behütet die Unmündigen;

     wenn ich schwach bin, so hilft er mir.

Sei nun wieder zufrieden, meine Seele;

denn der HERR tut dir Gutes.

     Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,

     mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

Ich werde wandeln vor dem HERRN

im Lande der Lebendigen.

     Ich will den Kelch des Heils erheben

     und des HERRN Namen anrufen.

 

Gebet

Gott, der du uns Vater und Mutter bist,

du kennst uns.

Seit Anfang an weißt du, wie wir Menschen sind.

Wir wollen hoch hinaus, nach den Sternen greifen.

Und du lässt uns eigene Erfahrungen und Entdeckungen machen. So wie Eltern ihrem Kind Freiheiten lassen, damit es lernen kann.

Wenn wir an unsere Grenzen stoßen, straucheln und hinfallen, fängst du uns auf.

Aus diesem Glauben an dich gewinnen wir Kraft.

Aus der Dankbarkeit für deine Fürsorge leben wir.

Amen.

 

Lied  Nun lob mein Seel | EG 289, 1

1. Nun lob, mein Seel, den Herren,

was in mir ist, den Namen sein.

Sein Wohltat tut er mehren,

vergiß es nicht, o Herze mein.

Hat dir dein Sünd vergeben

und heilt dein Schwachheit groß,

errett' dein armes Leben,

nimmt dich in seinen Schoß,

mit reichem Trost beschüttet,

verjüngt, dem Adler gleich;

der Herr schafft Recht, behütet,

die leidn in seinem Reich.

Text: Johann Gramann (um 1530) 1540; Str. 5 Königsberg 1549
Melodie: 15. Jh. »Weiß mir ein Blümlein blaue«; geistlich Hans Kugelmann (um 1530) 1540


Lesung                       Jesaja 40,26-31 (Predigttext)

Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Friedenauer Posaundenhor:

Predigt  

Liebe Gemeinde,

da heißt dieser Sonntag „Quasimodogeniti“ – wie die neugeborenen Kinder – und verweist darauf, wie wir Christen uns nach Ostern fühlen sollen. Aber ein erster Blick in die Texte für den Gottesdienst spricht eine andere Sprache:

Im Predigttext aus Jesaja ist von müden, erschöpften Menschen die Rede. Dieser Jesaja schreibt aus dem babylonischen Exil, mitten aus dem Volk, das weit weg von Heimat und zerstörtem Tempel lebt. Und sie fühlen sich so elend und verlassen, dass sogar Gott selbst im Kapitelanfang drängt: „Tröstet, tröstet mein Volk!“ –  und Jesaja aufträgt: „Rede bloß freundlich mit ihnen!“. Aber das Volk sitzt so tief drin, dass die Fürsorge ihres Gottes sie gar nicht mehr erreicht: „Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber!“ So fühlen sie sich.

Auch im Evangelium für heute liest man in Johannes 20 von einem Menschen,den bloße Worte nicht mehr erreichen. Zu tief sitzt der Schmerz über den verlorenen Lehrer, seinen Jesus. Und zu groß ist die Bedrohung von außen, weil die starke Gemeinschaft zu zerfallen droht. Deshalb reagiert Thomas auf die anderen Jünger mit Zweifel: „Der auferstandene Jesus war hier zu Besuch? Um das zu glauben, müsste ich erst seine Verletzungen sehen und berühren können!“

Was sind das für Leute, von denen die Bibel da erzählt? Kleingläubige, Schwächlinge in Glaubenssachen, Schönwetter- Juden und - Christen?   

Nein. Es sind einfach Menschen. Jesaja stellt fest: „Auch Männer und Jünglinge werden müde und matt.“, also: selbst die Stärksten holt irgendwann die Erschöpfung ein.  Und Jesus wird Thomas eine Woche später besuchen, ihn beim Wort und sogar bei der Hand nehmen und spüren lassen: Es ist wahr.

In jedem von uns steckt so ein ungläubiger Thomas oder ein so ermüdetes Volk, dass Momente der Zuwendungen sich gar nicht mehr als solche erkennen lassen. Denken Sie einmal an die letzten Wochen zurück – vielleicht haben sie es gespürt oder gefragt:

„Sieht Gott mich? Ich fühle mich vergessen. Vielleicht hat Gott auch gerade wichtigeres zu tun, aber das macht mich doch nicht weniger allein…“

Vor uns liegt ein langer Weg und es bleibt noch lange zermürbend und ungewiss. Wie Thomas stehen wir am Anfang und es gibt kein kleines Dorf, in das wir uns anonym zurückziehen könnten. Wir sind Teil einer großen Gesellschaft, tragen auf unterschiedlichste Weise Verantwortung, … die Welt wird für keinen von uns anhalten und wir werden uns der Realität nicht entziehen können. An diesem Punkt nimmt Jesus die Hand von Thomas und sagt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“

Und damit macht er ihm keine Vorhaltungen. Jesus erinnert ihn an seine früheren Reden, in denen er gelehrt hat, was dem Leben dient und was nicht. „Selig sind…“ –  Fast möchte man den Satz umformulieren: „Ach Thomas, wie selig, wie glücklich sich Leute schätzen können, die in deiner Lage ihren Glauben noch aufrechterhalten können. Ich gebe dir jetzt was du brauchst – eine Berührung, die dich erreicht und stärken soll für das, was noch kommt.“

Und Jesaja? Als Prophet stellt er den Kontakt wieder her für das Volk, das seinen Gott nicht berühren kann und das sich von seinem Gott als unberührt empfindet. Auch Jesaja knüpft an Altbekanntes an: „Weißt du es nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.“ Menschen werden müde – Gott nicht. Auf ihn ist Verlass. Und darauf kommt es an.

Das heißt nicht, Hände in den Schoß legen und abwarten. „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft!“ Auf Gott warten ist keine leichte Aufgabe. Dafür braucht es Geduld, Durchhaltevermögen, Auseinandersetzung und Überwindung von Zweifeln.

Und dabei hilft und entlastet uns die Erkenntnis, wenn wir wissen worauf wir uns verlassen können und wo die Hilfe zu finden ist. Nur ein Teil des Ziels liegt vor uns. Die eigentliche Kraftquelle befindet sich da oben. Und Jesaja verspricht uns: Wer das erkennt, kann aus dieser Quelle trinken und dem oder der ergeht es dann so: „Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie gehen und nicht müde werden.“ Das wünsche ich Ihnen. Amen.

                   

Lied:  Sei Lob und Preis mit Ehren | EG 289, 5

5. Sei Lob und Preis mit Ehren

Gott Vater, Sohn und Heilgem Geist!

Der wolle in uns mehren,

was er aus Gnaden uns verheißt,

daß wir ihm fest vertrauen,

uns gründen ganz auf ihn,

von Herzen auf ihn bauen,

daß unser Mut und Sinn

ihm allezeit anhangen.

Drauf singen wir zur Stund:

Amen, wir werden's erlangen,

glaubn wir von Herzensgrund.

 

Kollekte

Zu jedem Gottesdienst gehört auch eine Kollekte. In diesem Gottesdienst ist sie vorgesehen für zwei Einrichtungen kirchlicher Arbeit, je zur Hälfte. 

Zum einen für die offene Altenarbeit des Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Das bedeutet: Veranstaltungen, besondere Gemeindeaktivitäten für alten Menschen und gerade in Coronazeiten Hilfen schaffen, die alten Menschen – besonders auf dem Land – die Beteiligung am Gemeindeleben ermöglichen. Hier können Sie für diesen Zweck direkt spenden.

Und zum anderen wird ihre Kollekte erbeten für den sog. Kirchlichen Fernunterricht. Das ist theologisches berufsbegleitendes Fernstudium um Menschen ehrenamtlich für den Verkündigungsdienst zu qualifizieren. Ihr Kollekte wird für Ausbildungskosten und Beihilfen benötigt. Hier können Sie für diesen Zweck direkt spenden. 


Fürbitte

Lasst uns Fürbitte halten:

Wir loben dich, du unseren Gott. Du hast Jesus Christus von den Toten auferweckt. Du machst das Leben stärker als den Tod. Wir bitten dich: Zeige deinen Sieg über den Tod auch heute. Zeige dich bei den Trauernden und tröste sie. Zeige dich bei denen, die von Krieg und Gewalt bedroht sind. 

Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

 

Gott wir bitten für alle, die jeden Tag neue auf deine Kraft hoffen: die vielen Covid-19-Kranken alle in den Gesundheits-Diensten und Heimen sich einsetzen, um zu helfen, zu retten, zu schützen.

Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

 

Gott wir bitten dich für alle, die sich trügerischen Versprechen hingeben, einfache Antworten der schwierigen Wahrheit vorziehen, die sich durch Macht verführen lassen. Gib Kraft zur Vernunft, falle ein mit deinem Geist in Verhandlungen, Beratungen und Entscheidungen.

Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.


Wir bitten für die Menschen in den Flüchtlings-Lagern und -Unterkünften,in Südeuropa und hier in Deutschland, die jetzt zusätzlich isoliert und bedroht sind;vor allem für die Kinder und Jugendlichen.Wo wir uns verschließen, öffne du unser Herz, unsere Haltung, unsere Möglichkeiten.

Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.

 

Vaterunser Gemeinsam beten wir, wie es uns Christus geboten hat:

Vater unser im Himmel,

geheiligt werde dein Name

dein Reich komme.

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Lied  EG 99 Christ ist erstanden

Christ ist erstanden

von der Marter alle;

des solln wir alle froh sein,

Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis.

Wär er nicht erstanden,

so wär die Welt vergangen;

seit daß er erstanden ist,

so lobn wir den Vater Jesu Christ.

Kyrieleis.

Halleluja,

Halleluja,

Halleluja!

Des solln wir alle froh sein,

Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis.

Text: Bayern; Österreich 12. bis 15. Jh.

Melodie: Salzburg 1160/1433, Tegernsee 15. Jh., Wittenberg 1529

 

Segen                       

 

Friedenauer Posaunenchor


Liturgie: Vikarin Rebekka Luther, Pfr. Peter Martins
Lektorin: Helga Greiner
Klavier: Caspar Wein
Bläser des Friedenauer Posaunenchors unter der Leitung von Hille Schulz
Technik: Sebastian Leenen und kutoja


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