Veröffentlicht am So., 26. Apr. 2020 16:00 Uhr

Als ich gestern nach Hause kam, sah ich im Treppenhaus eine Wespe. Sie war durch das angekippte Fenster geflogen und fand den Weg nach draußen nicht. Wieder und wieder stieß sie mit einem klopfenden Geräusch gegen das Glas. Ich bin eine große Tierfreundin, würde aber unter allen Insekten die stechenden Arten wohl als letzte vermissen.

Ich war müde, es lag noch Arbeit im Homeoffice vor mir, ich wollte eine kurze Pause und auf gestochen werden hatte ich so gar keine Lust. „Meine Güte, es ist doch gar nicht schwer! Du musst nur rausfliegen, wie du hineingeflogen bist. Da, da, da steht das Fenster offen!“ und ich wendete mich zum nächsten Treppenabsatz. Aber das verzweifelte „pockpockpock“ am Glas hielt mich auf. „Gut Madame, aber beeile dich...“, ich öffnete das Fenster komplett. Und es geschah, was ich schon vermutet hatte: Die Wespe flog an der Scheibe suchend herab, kam unten am Rahmen an und hätte für den Ausweg nur wenige Zentimeter am Holz entlang gemusst. Stattdessen flog sie wieder aufwärts. So ging das mehrere Male und meine Ungeduld wuchs. Ich hatte nichts, um sie sicher zu fangen und ich kam mir lächerlich vor, mit einem Tier im hellhörigen Treppenhaus zu sprechen. Ich schloss das Fenster wieder, stellte es gekippt und sagte: „Dann musst du den Weg eben selbst finden.“ und ging.

Heute Morgen verließ ich meine Wohnung und stellte mit einer gewissen Erleichterung fest, dass keine tote Wespe auf der Fensterbank lag. Sie hatte es wohl geschafft. Weil jemand anderes ihr geholfen hatte oder aus eigener Kraft? Wer weiß.

Was für ein Pech hatte diese Wespe, dass ihr Schicksal kurzzeitig in der Hand eines Menschen lag.

Und was für ein Glück ich habe, dass mein Schicksal in Gottes Hand liegt – egal wie oft ich gegen ein unüberwindbares Hindernis stoße.

Denn ich bin der HERR, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht:

Fürchte dich nicht, ich helfe dir!

(Jes 41, 13)

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