Veröffentlicht am So., 26. Apr. 2020 00:05 Uhr


Die Liturgie seht hier zum Herunterladen im pdf-Format zur Verfügung

 

Geliebt wirst du einzig, wo du schwach dich zeigen darfst, ohne Stärke zu provozieren.“  Theodor W. Adorno aus „Minima Moralia“

 

Ein kleiner Gottesdienst - zu Hause am Sonntag Miserikordias Domini, dem Hirtensonntag 


Glockengeläut 

Kerze wird entzündet   

Stille 

Eingangsworte 

Wir sind hier in meinem  Arbeitszimmer zu zweit. Und doch mit Euch durch Gottes Geist verbunden.

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Im Zentrum des 2. Sonntags nach Ostern steht die Gnade und Zuwendung, der Schutz und die Fürsorge Gottes für uns Menschen. Besonders in Situationen der Unsicherheit und Gefahr. Daher hat dieser Sonntag auch seinen Namen: misericordia domini, die Barmherzigkeit des Herrn. Eine der eindrücklichsten Weisen, in denen die Bibel von Gott als unserem Schutz und Halt, unserer Hilfe in den Nöten des Lebens, spricht, ist das Bild des Hirten. Dieses Bild steht auch über diesem Sonntag, der darum auch „Hirtensonntag“ genannt wird.

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ –wohl vertraut klingen die Worte des 23. Psalms in unseren Ohren

 

Vielleicht mögt ihr die Worte des 23. Psalms –einfach aus dem Herzen -mitsprechen?

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischem Wasser. Er erquickt meine Seele. Er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tischim Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

 

Lied: EG 274 Der Herr ist mein getreuer Hirt

1. Der Herr ist mein getreuer Hirt, hält mich in seiner Hute, darin mir gar nicht mangeln wird jemals an einem Gute. Er weidet mich ohn Unterlaß, da aufwächst das wohlschmeckend Gras seines heilsamen Wortes.

    

Gebet

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, dennoch, Gott, ich fürchte mich. Du siehst es. Du siehst meine Angst um meine Gesundheit.  Du kennst meine Sorgen um die Menschen, die mir nahe sind.

Stille …

Wie gut, dass du da bist, Hirte meines Lebens. Vertrauen Hoffnung wächst. In den Sorgen, in der Angst tut sich ein Weg auf, und ich bekomme wieder Kraft für die nächsten Schritte

 

Stille

Ich bitte Dich, Gott: Behüte, was wir lieb haben. Das Leben. Und unsere Lieben. Amen

Lied: EG 65 Von guten Mächten

1. Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.

7 Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

 

Auslegung zum Psalm 23

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Das Bild vom guten Hirten berührt mich. In einer dunklen Stunde meines Lebens habe ich nach dem Psalm 23 gegriffen wie nach einem Strohhalm.  „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. … Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“

Der Strohhalm erwies sich als tragfähig. Der Psalm vom guten Hirten hat mich getröstet und aufgebaut. Ja, diese Worte und die Bilder, die sie mir vor Augen malen, berühren mich. Da ist einer – Gott an meiner Seite, der mich begleitet, auch auf den finsteren Strecken meines Lebens. Einer, der für mich eintritt. Einer, der mich in Schutz nimmt, für mich kämpft und nicht fortläuft, wenn es brenzlig wird. Einer, der mich zu erfrischenden Quellen führt und mir Nahrung für Leib und Seele schenkt. Einer, der mir Kraftquellen öffnet, damit ich meinen Weg gehen kann.

Dieser Hirte läuft nicht vor dem Leiden davon.  Er ist selber durch die tiefen finsteren Täler des Lebens gegangen. Und er ist auch heute vor allem dort, wo gelitten wird.

Zu allen Zeiten und an allen Orten sind Menschen auf Schutz und Zuwendung angewiesen. Leben ist zerbrechlich und kann nur gelingen, wenn wir uns darauf verlassen können, dass wir nicht alleine sind, wenn Gefahr droht, dass wir in unserer Hilflosigkeit nicht im Stich gelassen werden. Wohl dem, der solche Menschen um sich weiß, wohl dem, der das glauben kann, dass Gott uns wie ein Hirt nicht alleine lässt.

 

Die Corona Krise führt uns auf beklemmende Weise vor Augen, wie zerbrechlich unser Leben ist. Wir leben jetzt schon einige Zeit damit, aber daran gewöhnen können und dürfen wir uns nicht. Der Blick auf die Zahlen von Infizierten und Gestorbenen, die bedrückenden Bildern von Intensivstationen, Altenheimen und Flüchtlingslagern über all auf der Welt machen Angst und verunsichert.

 

Ja wir haben Ostern gefeiert. Neuanfang, Aufbruch, Hoffen, Leben. Es ist wichtig jeden Tag als ein Geschenk anzunehmen und mit Erwachen der Natur immer wieder neue Hoffnung zu spüren. Die Hoffnung, dass alles bald überwunden ist.

Wir sind Christen und als solche nicht  in den Tod, sondern in das Leben verliebt — auch über den Tod hinaus. 

Wer mit diesem Glauben lebt, lebt in der Liebe. Und die Liebe hält vieles aus. Der hält es aus, um der besonders Gefährdeten willen, eine Zeit lang auf persönliche Freiheitsrechte zu verzichten. Wer aus der Liebe lebt, zeigt sich solidarisch mit denen, die jetzt in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht sind. Wer aus der Liebe lebt, der denkt nicht nur an sich, der denkt auch an die, die in Flüchtlingslagern, in Ländern ohne ausreichende medizinische Versorgung häufig sich selber überlassen sind und ohne unsere Hilfe nicht überleben können. Wer aus der Liebe lebt, hält es aus, dass wir alle verzichten und  Wohlstands-verluste hinnehmen müssen.

Es ist zynisch und mit dem christlichen Glauben unvereinbar, wenn wir Rechnungen aufmachen und Fragen nach dem Wert des Lebens aufwerfen, ob das funktionieren der Wirtschaft mehr Wert hat, als das Leben einiger zehntausend vom Corona Virus besonders bedrohter Menschen ? Aus christlicher Perspektive gibt es eine klare Antwort auf solche Überlegungen: Der Wert eines menschlichen Lebens lässt sich nicht verrechnen. Das hat auch Eingang in unser Grundgesetz gefunden: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, heißt es in Art. 1 des Grundgesetzes. Das ist die Grundlage unseres Zusammenlebens in Deutschland: Das Leben eines Menschen kann nicht verrechnet werden. Deshalb müssen wir alles tun, damit Ärztinnen und Ärzte nicht in die Situation kommen, dass sie Lebenschancen von Menschen gegeneinander aufrechnen müssen. Es kommt darauf an,  dass das Menschenleben nicht auf dem Altar eines wirtschaftlichen Kalküls geopfert wird. Auch wenn es dabei um die Fortsetzung der Fußballbundesliga geht.

Wenn wir uns später an diese Corona-Zeiten erinnern, dann wollen wir uns vor allem daran erinnern, dass Liebe und Solidarität die schrecklichen Folgen des Virus besiegt haben.

Als Christ glaube ich daran, dass das Dunkel, der Tod, nicht das letzte Wort hat und das Leben gewinnt. Diese Zuversicht und Hoffnung möchte ich Euch weitergeben. Wir werden die Corona-Krise überstehen, weil wir solidarisch, fürsorglich und achtsam miteinander umgehen und weil Gott bei uns ist.

Amen.

 

Lied: EG 432 Gott gab uns Atem 

1. Gott gab uns Atem, damit wir leben. Er gab uns Augen, daß wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, daß wir auf ihr die Zeit bestehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, daß wir auf ihr die Zeit bestehn.

2 Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

 

3 Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.

 

Gebet

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Willegeschehe - wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. 


Segensbitte 

Gott segne uns und behüte uns! Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig Gott erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen. 

Stille 

Kerze wird ausgepustet 

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