Veröffentlicht am So., 3. Mai. 2020 02:59 Uhr

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble ist in der vergangenen Woche heftig kritisiert worden, weil er meinte, dass auch in der Coronakrise der Schutz des Lebens nicht die absolute Priorität aller staatlichen Maßnahmen haben könne. Eine „Relativierung des Lebensschutzes“ wurde ihm daraufhin vorgeworfen.

„Lebensschutz“ – eine große Verpflichtung bei allen Entscheidungen. Immer wieder die Frage: Wieviel lassen wir uns die Erfüllung der Einschränkungen und Auflagen für die Gesundheit kosten und wen lassen wir diesen Preis bezahlen: Kinder und Familien, Erzieherinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger? Oder riskieren wir mehr Lockerungen, weil es uns die freiheitlichen Grundrechte wert sind? 

Wenn ich Wolfgang Schäuble richtig verstanden habe, befürwortet er die Einschränkungen - aber nicht um jeden Preis. Denn den Wert eines menschlichen Lebens kann keiner ermessen. Ein Mensch hat keinen Wert und keinen Preis, sondern Würde.

Im Psalm 63,4 bekennt ein Mensch, dessen Leben wider Erwarten gerettet wurde, vor Gott erstaunt: „Deine Gnade ist besser als das Leben.“ Besser als das Leben ist die Zuwendung, die Gemeinschaft mit dem, der einen Menschen schon kennt bevor das Leben im Mutterleibe wächst und der einen nicht vergessen wird, wenn der Leib wieder zu Erde wird.

Das Leben, das wir zwischen Anfang und Ende leben, ist in jedem Augenblick geschenktes Leben. In der Bedrohung durch das Virus spüren wir das jeden Tag. Zum Leben gehört, einfach als Mensch Teil einer tragenden Gemeinschaft zu sein, nichts dafür begründen zu müssen, schon gar nicht, irgendeinen angeblichen Wert oder Nutzen. Jeder Mensch ist Gottes Ebenbild.

Welchen Wert und welches Ziel werden die wohl auf absehbare Zeit immer wieder neu zu treffenden Entscheidungen haben? Eine Antwort auf diese Frage darf die nicht aus dem Blick verlieren, die von einer Unantastbarkeit ihrer Würde gerade am wenigsten spüren.

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