Veröffentlicht am So., 3. Mai. 2020 20:00 Uhr

Ein kleiner Gottesdienst – im Pfarrgarten: Dran Bleiben – Nähe ist der Schlüssel zum Leben


Die Liturgie steht hier als pdf-Datei zur Verfügung

Glockengeläut (eingespielt)


Eingangsworte Wir sind hier im Pfarrgarten. Und doch mit Euch durch Gottes Geist verbunden.

Votum

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Lied: EG 110 (Die ganze Welt, Herr Jesu Christ)

 

1. Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, Halleluja, Halleluja, in deiner Urständ fröhlich ist. Halleluja, Halleluja.

 

2 Das himmlisch Heer im Himmel singt, Halleluja, Halleluja, die Christenheit auf Erden klingt. Halleluja, Halleluja.

 

3 Jetzt grünet, was nur grünen kann, Halleluja, Halleluja, die Bäum zu blühen fangen an. Halleluja, Halleluja.

 

Persönliche Gedanken- Zwiegespräch

 

Der Name des Sonntags Jubilate leitet sich vom Beginn der lateinischen Antiphon für den Wochenpsalm 66 ab: Jubilate Deo, omnis terra!. (Jauchzet Gott, alle Lande).

Jauchzen ist ein schönes Wort. Veraltet zwar, im Duden wird jauchzen als ein verbaler Ausdruck der Freude, Begeisterung durch Rufen, Schreien beschrieben; Wann hast Du das letzte mal so  richtig jauchzen können ....

 

Ich glaube, dass ich viel öfter innerlich jubele, als dass ich das so äußerlich zum Ausdruck bringe. Aber ich erinnere mich, dass ich in den Sommerferien letztes Jahr in den Bergen gejauchzt habe. Wenn man so auf einen Berg steigt und die wunderbare Landschaft sieht und Gottes Schöpfung bestaunt, da habe ich richtig laut gejauchzt, dass man es richtig hören konnte!“

 

Wir sind hier im Pfarrgarten: Ein Blütenmeer entfalteter Pracht,  Ich liebe Jahr um Jahr diese ersten Tage, wenn die Blüten aufgehen, ich liebe dieses einzigartige zarten Farben des Tulpenbaums und freue mich, wenn dann die Mandelblüte folgt, mit ihren etwas kräftigeren Blüten, Farben durchzogen. Erst recht, wenn dazu die Sonne lacht, und der Frühling sich lichtdurchflutet zeigt. Das lässt mich jauchzen. Wann haben sie zuletzt einen langen Spaziergang durch Gottes aufgeblühte Natur gemacht?

Die Bibel entfaltet oft Bilder aus der Natur:

 

Lesung Johanes Evangelium Kapitel 15 die Verse 1-8

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

 

Eigenkomposition Karin Lorenz

 

Gespräch im Pfarrgarten als Auslegung

 

Ich habe diesen Text  lange als Gerichtspredigt  gelesen und ihn auch so verstanden. Der Text blieb mir darum auch lange fremd. Erst als ich verstanden habe, dass dieser Text in Bildern spricht hat sich dieser Text für mich neu erschlossen. Die Bilder des Textes reden von Beziehung von der Kraft der Liebe und der daraus sich ergebenden  Kraft der Ausdauer, des Aushaltens, trotz Bedrängnis, des Dranbleibens.

Leben lebt von Beziehungen. Ohne andere Menschen, ohne Eltern, Geschwister, Freunde, ohne Menschen, die es gut mit uns meinen, können wir nicht groß werden. Der Mensch ist ein Beziehungswesen von Anfang an.

Das alles muss man vorausschicken, um zu verstehen, was die Worte vom Weinstock und den Reben bedeuten: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“

 

„Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ So wird im 1. Johannesbrief von unserem Glauben gesprochen. Unserer Glauben ist Lebenshilfe, ganz konkret. In einem Artikel der  „Zeit“ vom 26.03. 2020 wird über die 30 an dem Corona Virus verstorbenen Geistlichen geschrieben. Die sind Drangeblieben, haben ihre Gesundheit riskiert, ihr Leben um bei den Kranken und Sterbenden zu bleiben. Sie haben den Mitarbeitern im Krankenhaus Trost gespendet und Ihnen Mut zu gesprochen und sie so gestärkt.

 

Der Papst Franziskus benutzt oft , wenn er über die Kirche spricht  das Bild vom  „Hirten mit dem Geruch der Schafe“. Er schreibt: „Um aus tiefster Seele Verkünder des Evangeliums zu sein, ist es auch nötig, ein geistliches Wohlgefallen daran zu finden, nahe am Leben der Menschen zu sein, bis zu dem Punkt, dass man entdeckt, dass dies eine Quelle höherer Freude ist“ (aus Evangelii Gaudium – Apostolisches Schreiben an die Bischöfe und Priester)

 

Dieses Dranbleiben haben auch die vielen Ehrenamtlichen Helfer aus unserer Gemeinde des Nachcafés gelebt, die ganz Nah dran waren und sich für die wohnungslosen Menschen eingesetzt haben – auch wenn das nicht ganz unumstritten war.

 

Mich begeistert an diesem Text sehr vieles. Es wird ganz viel vom Bleiben geredet. Jesus sagt: Gott ist der Weingärtner und er ist der Weinstock und wir sind die Reben. Ich fand toll, dass Jesus nicht sagt, wir sind die Wurzeln, die nach Wasser suchen müssen, wir sind auch nicht der Stamm, der dem ganzen halt geben soll, sondern wir sind einfach die Reben. Jesus erzählt immer vom Bleiben. „Bleibt in mir und ich in euch.“ Vielleicht könnte man denken, das sei total anstrengend und schwierig, aber ich glaube, das ist es gar nicht. Ich glaube, es geht wirklich, wie du, Kristine, gesagt hast, ums Dranbleiben an Jesus, Dranbleiben an Gott. Und diese Kraft, die Jesus uns dann schenken will, die kommt einfach. Und das ist eine größere Kraft, eine besondere Kraft, die einfach in uns rüberlaufen will, mit der wir leben und Frucht bringen und Liebe üben dürfen.“

 

Unser Leben lebt von Beziehungen, es lebt von der Liebe. Das ist der Grundgedanke des christlichen Glaubens. Die Liebe ist es, die unser Leben erst ermöglicht. Nur wo Liebe regiert, können Beziehungen gelingen. Nur wo die Sprache von Wärme geprägt ist, können Menschen gut miteinander leben. Die Liebe ist die elementare Lebensmacht. Das ist das Grundbekenntnis des christlichen Glaubens. Wo die Liebe wohnt, da ist unser Gott.

 

Im Galaterbrief gibt der Apostel Paulus eine klare Antwort darauf, was gute Früchte sind. Er schreibt dazu: „Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit“ (Galater 5, 19-22).

Die guten Früchte, die der Weingärtner hegt und pflegt, die uns Christen gut anstehen, sind also: Liebe, die für den Nächsten das Beste sucht; Freude, die immer wieder staunt über Gottes Herrlichkeit; Friede, der nicht von äußeren Bedingungen abhängig ist; Geduld, die mir so unsagbar schwer fällt; Freundlichkeit, und zwar auch dann, wenn ich in Zeitdruck bin; Güte, die verzeihen und annehmen kann; Glaube als tiefe Hoffnung auf Gottes unbegrenzte Möglichkeiten; Sanftmut, die nicht mit Schwäche zu verwechseln ist, sondern aus innerer Stärke kommt und Keuschheit, die selten gewordene Tugend der Selbst-beherrschung.

 

Unser Leben lebt von Beziehungen, es lebt von der Liebe. An ihr zu bleiben, aus ihr zu leben ist wirkliches Leben, Leben, das dem Tod standhält, Leben als Rebe am Weinstock: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.“

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unser Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

 

(Es gilt das gesprochene Wort)

 

Lied: EG 454,1-6 (Auf und macht die Herzen weit)

1. Auf und macht die Herzen weit, euren Mund zum Lob bereit!

  Kehrvers

Gottes Güte, Gottes Treu

sind an jedem Morgen neu.

 

2 Gottes Wort erschuf die Welt, hat die Finsternis erhellt.

 

3 Gottes Macht schützt, was er schuf, den Geplagten gilt sein Ruf.

 

4 Gottes Liebe deckt die Schuld, trägt die Sünder in Geduld.

 

5 Gottes Wort ruft Freund und Feind, die sein Geist versöhnt und eint.

 

6 Darum macht die Herzen weit, euren Mund zum Lob bereit!

 

Gebet

Herr! Wir warten - auf ein Wiedersehen.

Wir sehen dich, wo wir beieinander verweilen, einander trösten. Schenke uns ein feines Gespür für die Traurigen, dass wir ihnen beistehen mit deinem Wort. Wir sehen dich, wo wir das Leid anderer wahrnehmen. Schenke uns die Kraft, hinzusehen und mit den Leidenden eine Weile Ausschau zu halten, nach Friede und Gerechtigkeit hier unter uns und da in der Not der Welt. Wir sehen dich, wo wir uns aneinander freuen. Wir wollen den Menschen, mit denen wir leben, von unserer Freude erzählen. Wir wollen verweilen bei deinem Wort. Wir warten auf ein Wiedersehen.

 

Vaterunser

Segensbitte Gott segne uns und behüte uns! Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig Gott erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden. Amen.

 

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