Veröffentlicht am Mi., 13. Mai. 2020 00:23 Uhr

Von dem Dichter und Zeichner Robert Gernhardt (1937-2006) gibt es eine Karikatur "Maskenmenschen". Karl-Heinrich Lütcke (bis 2005 Propst der EKBO) hat sich von ihr zu einem Kommentar über "Die Maske und die Bibel" anregen lassen.

Unser deutsches Fremdwort „Person“ kommt aus dem Lateinischen. Persona bedeutet (wie auch das griechische Äquivalent Prosopon) ursprünglich die Maske, die bei kultischen Umzügen oder von Schauspielern im Drama getragen wurde. In der Folge kann es auch die Rolle, den Charakter bedeuten, den der Schauspieler darstellt, und so entwickelt sich der heutige Begriff „Person“. Durch die Begriffsentwicklung ist die Maske zu dem Wort geworden, mit dem wir einen Menschen (z.B.: „100 Personen“), aber auch das Wesen eines Menschen beschreiben („Persönlichkeit“). Dass aber Person ursprünglich wie die Maske etwas eher Äußerliches ist und das äußere Erscheinungsbild bezeichnet, machen auch biblische Texte deutlich, in denen das Wort „Person“ vorkommt: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht, sondern in jedem Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, ist ihm angenehm. (Act 10, 34) Und im Römerbrief: Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott. (Röm 2,11) In der Vulgata steht da immer „persona“, im Griechischen das Äquivalent „prosopon“.

Diese Aussagen über Gott, der die „Person“ nicht ansieht, finden sich prominent auch schon in der Hebräischen Bibel: Ihr sollt beim Richten nicht die Person ansehen, sondern sollt den Kleinen hören wie den Großen und vor niemand euch scheuen; denn das Gericht ist Gottes. (Dt. 1,17) Oder auch: Denn bei dem HERRN, unserem Gott, ist kein Unrecht noch Ansehen der Person noch Annehmen von Geschenken. (2. Chr. 19, 7) Dort steht im Hebräischen „Panim“, in der Septuaginta auch „prosopon“, in der Vulgata „persona“.

Und was sieht Gott an, wenn er die Person, nicht ansieht, weil sie ja nur eine Maske ist? Die Antwort steht 1. Sam. 16, 7: Aber der HERR sprach zu Samuel: Sieh nicht an sein Aussehen und seinen hohen Wuchs; ich habe ihn verworfen. Denn nicht sieht der HERR auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.

Die Karikatur hat das wunderbar erfasst.

 


 

Kategorien Nah dran gesagt