ZOOM-Chorprobe. Von Annette Schulte-Döinghaus.

ZOOM-Chorprobe. Von Annette Schulte-Döinghaus.


# Nah dran in Friedenau
Datum der Veröffentlichung Veröffentlicht am Freitag, 12. Juni 2020, 13:35 Uhr
ZOOM-Chorprobe. Von Annette Schulte-Döinghaus.

„Bin zum Chor, bitte nicht stören“! rufe ich in die Wohnung hinein und setze mich mit einem Headset an meinen Rechner am Esstisch. Normalerweise bin ich donnerstags abends aus dem Haus und mein Mann kann in Ruhe einen Piffpaff-Film gucken. Aber es ist Coronazeit, die Chorprobe findet per Videoschaltung „ZOOM“  statt. Chorsingen wie üblich in einem Raum, eng zusammen stehend, ist nicht erlaubt. Und das ist leider richtig so entschieden, denn gemeinsames Singen in großen Gruppen ist laut virologischer Erkenntnis eine sehr ansteckende Tätigkeit, stößt man doch dabei Aerosole aus, die sogar weiter reichen als beim Sprechen oder Niesen. Dank an unseren Kantor Tobias Brommann, der uns 80 Chormitgliedern der Friedenauer Kantorei in diesen Zeiten diese Art Chorprobe anbietet.

Es ist der vierte Abend dieser Art; wir freuen uns, dass wir uns wenigstens auf dem Bildschirm sehen und hören. Wir winken uns zu, hoffen, dass alle Anwesenden gesund sind, dann geht es an die Arbeit: wir wollten ursprünglich am 7. Juni 2020 in unserer Kirche Zum Guten Hirten die Messe in G von Franz Schubert singen, ein schönes und wunderbar geeignetes Stück für Chorgesang. Genau das üben wir jetzt. Jede Stimme - Sopran, Alt, Tenor und Bass - hat 20 Minuten. Jeder kann alles mithören oder sich nur in seiner Stimme einschalten, wie man möchte.  Die Noten erscheinen synchron auf dem Bildschirm. Der Kantor singt alle vier Stimmen einzeln vor – leider kann er immer noch nicht mehrstimmig vorsingen – aber mehrstimmig begleiten kann er sich auf dem Klavier zuhause. Gerne würde ich mal hören, wie das so klingt, wenn wir auf diese Art zusammen singen, aber wir sind von ihm stumm geschaltet, wenn er vorsingt. Besser ist das! Technisch bedingt gibt es minimale Verzögerungen. Dies zusammen genommen kann nur zu einer Kakophonie, Dissonanz, führen.

Inzwischen kann ich meinen Part schon ganz gut. Ich traue mich, leise meinen Computer anzusingen, ist aber nicht so sexy. Auch wenn ich mich nach alten Chorzeiten sehne: diese Art Chorprobe ist wohl das Beste, was im Moment möglich ist.

Nach getaner Arbeit gibt es noch ein Zuprosten am Bildschirm und lockeres Geplauder über die Zukunft des Chorsingens. Vielleicht gibt es ja bald die Möglichkeit, in minimaler Besetzung von acht Personen diese Messe live zu performen, wie geplant in unserer Kirche, mit fünf Metern Abstand jeweils. Wir werden sehen und hören....


Annette Schulte-Döinghaus, Mitglied der Friedenauer Kantorei