12/06/2026 0 Kommentare
Fontane nannte sie „Effi Briest" – das Leben der Elisabeth von Ardenne
Fontane nannte sie „Effi Briest" – das Leben der Elisabeth von Ardenne
# Senioren

Fontane nannte sie „Effi Briest" – das Leben der Elisabeth von Ardenne
Seit 23 Jahren gibt es sie - die Senioren-Frühstücksgruppe der Kirchengemeinde Zum Guten Hirten jeden Mittwoch von 10 bis 12 Uhr. Bei Kaffee, Brötchen und guten Gesprächen geht es dabei längst nicht nur um das Frühstück. Regelmäßig sorgen Gäste und Vorträge für neue Perspektiven und anregende Diskussionen.

So auch am 3. Juni: Sabine Brauer, Autorin in Journalistin, war zu Gast und nahm die Runde mit auf eine faszinierende Spurensuche. Im Mittelpunkt stand Elisabeth von Plotho, später Elisabeth von Ardenne – jene Frau, deren Schicksal Theodor Fontane zu seinem berühmten Roman „Effi Briest“ inspirierte. Doch Sabine Brauer interessierte sich nicht nur für die literarische Figur, sondern vor allem für den Menschen dahinter. Über viele Jahre folgte sie den Spuren Elisabeth von Ardennes, besuchte Orte ihres Lebens und sprach sogar mit Menschen, die sich noch an „die Frau Baronin“ erinnern konnten.
Entstanden ist das Bild einer außergewöhnlichen Frau. Anders als Fontanes Effi Briest, die an den gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit zerbricht, fand Elisabeth von Ardenne nach schweren persönlichen Krisen einen eigenen Weg. Nachdem sie ihre Kinder verloren hatte, widmete sie sich jahrzehntelang der Krankenpflege und Fürsorge für andere Menschen. Sie wurde 98 Jahre alt und führte ein Leben, das weit über die bekannte Romanvorlage hinausweist. Elisabeth von Ardenne starb 1952 in Lindau; ihr Grab befindet sich auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf bei Berlin

Die Zuhörerinnen und Zuhörer lauschten einer Geschichte voller Tragik, Mut und Lebenswillen. Gerade deshalb passte das Thema so gut in die Frühstücksgruppe: Es ging nicht nur um Literatur- und Zeitgeschichte, sondern auch um die Frage, wie Menschen mit Brüchen in ihrem Leben umgehen und neue Wege finden können. Entsprechend lebhaft fielen die Gespräche im Anschluss aus – ein weiterer Beleg dafür, dass die Frühstücksgruppe auch nach 23 Jahren ein Ort ist, an dem Gemeinschaft und geistige Anregung auf besondere Weise zusammenkommen.
Text: Jamisch/Wolf/pm
Foto Titelbild: Schloss Zerben in Sachsen-Anhalt, Geburts- und Kindheitsort von Elisabeth von Plotho, dem historischen Vorbild für Fontanes „Effi Briest“.
Kommentare