Fünf Kirchengemeinden tragen unsere Schule

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Fünf Kirchengemeinden tragen unsere Schule

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Fünf Kirchengemeinden tragen unsere Schule

 

© Pfriem

Viel haben wir in der Vergangenheit erzählt über unsere Schule am Fuß des Kilimanjaro, aber wenig über die Kirchengemeinden, die diese Schule tragen. Am Anfang bei der Gründung der Schule waren nur drei Gemeinden dabei: Uraa (dort ist der Standort unserer Schule), Uswaa und Kyeri. Dann ist eine vierte Gemeinde, Woongo dazu gekommen. Diese Gemeinde ist aus einer Teilung mit der Gemeinde von Kyeri entstanden. Und diese Teilung war notwendig, weil die Kirchengemeinde zahlenmäßig stark gewachsen war.

Denn die Evangelische Lutherische Kirche in Tansania kennt das Problem des Mitgliederschwunds nicht. Sie wächst beständig und ist die zweitgrößte lutherische Kirche in der Welt. Sie ist entstanden aus der Missionstätigkeit vieler unterschiedlicher Missionswerke nicht nur aus Deutschland. In der Region an den Hängen des Kilimanjaro war es die Leipziger Mission. Das Berliner Missonswerk war im Süden Tansanias tätig. 1892 nahmen die Leipziger ihre Missionstätigkeit unter den Chagga auf. In der Tradition der Chagga gab es eine eher animistische Religion, der Kilimanjaro war ihr heiliger Berg. Trotz der unzweifelhaften Verbindung des Kolonialismus mit den Missionaren, werden einzelne Missionare von damals noch heute verehrt. Bruno Gutmann wirkte in Old Moshi und hat nicht nur die Sprache der Chagga studiert und verschriftlicht, er hat ihre Kultur und Rechtssprechung studiert und niedergeschrieben.

Infolge der Missionierung entstanden relativ schnell verschiedene evangelische Gemeinden. Schulen wurden gebaut, Krankenstationen, die Missionare führte Nutzpflanzen ein und förderten eine Landwirtschaft, die Plantagen anlegte.  Die Missionare beeinflussten das Leben der Chagga damit nachhaltig. Während des ersten Weltkrieges mussten die deutschen Missionare das Land verlassen, die Gemeinden wurden von amerikanischen und skandinavischen lutherischen Missionaren weitergeführt. 1934 wurden die ersten einheimischen Pfarrer ordiniert. 1938 schlossen sich sieben regionale lutherische Kirchen zu einem  Bund zusammen, 1963 entstand daraus die heutige Evangelisch Lutherische Kirche und 1964 nach dem Zusammenschluss Tanganjikas mit Sansibar, nahm sie den heutigen Namen an. Seit 1991 wurden die ersten Pfarrerinnen ordiniert.

Die ELCT ist eine immer noch wachsende Kirche, und so entstehen auch immer noch neue Kirchengemeinden. Die Kirche spielt nicht in den politischen Gemeinden am Kilimanjaro eine tragende Rolle. Das gesellschaftliche Leben wird stark von der Kirche beeinflusst. Die Gottesdienst am Sonntag sind das Ereignis der Woche, die Menschen ziehen sich sonntäglich an, die Versteigerung von Naturprodukten am Ende jedes Gottesdienst gibt Anlass zu ausgiebigem Austausch von Neuigkeiten. Und wer nicht zum Gottesdienst kommt oder gar mehrmals hintereinander fehlt, wird von den Kirchenältesten, den Diakonen oder den Pfarrern selbst zur Rede gestellt. Pfarrin Gladness Moshi von Kyeri berichtete uns, dass sie einmal im Jahr jedes Gemeindemitglied besucht. Die Gottesdienste sind lebhaft, jede Gemeinde hat drei, vier, fünf Chöre und einen Posaunenchor. Alle wollen sie den Gottesdienst mitgestalten. Und die Pfarrer nutzen die vollen Kirchen dazu, Lifestyle-Unterricht zu geben. Sei es durch die Aufforderung an die Männer, Kurse zu besuchen über die Behandlung der Frauen. Sei es durch die Aufforderung, weniger Zucker in Kaffee und Tee zu verbrauchen und mehr zu Fuß zu gehen, sei durch durch den Auftritt eines Experten, der der Gemeinde erklärt wie lebensnotwenig die Anschaffung eines Feuerlöschers ist. Es erklärt sich von selbst, dass die Gottesdienste daher nicht in 60 Minuten beendet sind. Bis zu fünf Stunden Dauer haben wir bei unseren Besuchen erlebt.

Die PfarrerInnen unserer fünf Partnergemeinden setzen ebensoviel Kraft ein, den Lebensstandard ihrer Gemeindemitglieder zu verbessern. „Ich kann nicht vor leeren Mägen predigen“, sagte uns Pfarrerin Peris Thumbi. Sie hat in Woongo ein vielversprechendes Projekt der Bienenzucht angestossen. Inzwischen gibt es weit über fünfzig Bienenstöcke, der Honig wird geerntet und weiterverkauft. So kommt cash in die Taschen der Menschen. In Nronga, der fünfte Gemeinde gibt es eine Frauen-Koopertive, die Milch einsammelt und verarbeitet und mit Erfolg in der Geschäften der region verkauft. In Uswaa gibt es das „Chicken-Projekt“ und in Uraa wurden gemeinsam Avocado-Bäume gepflanzt und der Ertrag gemeinsam vermarktet.

 

So ist es für die Kirchengemeinden ganz selbstverständlich, die Schule mit all ihrer Kraft mitzutragen. Sie bettet sich ein in das Bestreben, den Menschen am Berg ein besseres Leben  zu ermöglichen.

© Pfriem

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